Kreativ mit allen Sinnen

Warum du nicht kreativer wirst, indem du nachmachst, was andere machen

Über mimetische Wünsche, fremde Ziele und den Weg zurück zu deiner eigenen Kreativität

Vor ein paar Jahren saß ich in meinem Büro und scrollte durch Instagram.

Designer-Portfolios. Illustrationen. Typografie-Experimente. Alles perfekt komponiert, perfekt inszeniert, perfekt ausgeleuchtet.

Und ich dachte: »Das will ich auch können.«

Also fing ich an. Kaufte die gleichen Programme. Probierte die gleichen Techniken. Versuchte, so zu arbeiten wie die Leute, deren Arbeit ich bewunderte.

Aber irgendwas stimmte nicht. Die Ergebnisse sahen okay aus. Technisch solide. Aber leer. Als würde ich eine Sprache sprechen, die nicht meine ist.

Und dann verstand ich:

Ich wollte gar nicht wirklich das machen, was diese Leute machten. Ich wollte sein, wie sie.

Oder genauer: Ich wollte gesehen werden, wie sie gesehen wurden.

Das ist kein echter (Herzens)Wunsch. Das ist ein mimetischer Wunsch. Und er hat nichts mit Kreativität zu tun.

Was sind eigentlich mimetische Wünsche

Der französische Philosoph René Girard hat das Konzept der mimetischen Begierde entwickelt. Die Grundidee ist simpel, aber radikal:

Wir wollen nicht Dinge, weil wir sie wirklich wollen. Wir wollen sie, weil andere sie wollen.

Oder anders gesagt: Unsere Wünsche sind nicht ursprünglich. Sie sind nachgeahmt. Kopiert. Übernommen.

Das betrifft fast alles:

  • Was wir kaufen (weil andere es kaufen)
  • Welche Karriere wir anstreben (weil sie prestigeträchtig ist)
  • Welche Fähigkeiten wir lernen wollen (weil sie gerade »in« sind)

Und ja, auch:

  • Welche Art von Kreativität wir für erstrebenswert halten.

Das Problem ist nicht, dass wir uns inspirieren lassen. Das Problem ist, dass wir oft nicht mehr unterscheiden können:

Will ich das wirklich? Oder will ich nur so sein wie jemand, der das will?

Das bekommst du mit dem Mini-E-Book/Freebie:

🔹 Eine Einladung statt einer Anleitung
Kein Programm, keine Checkliste – sondern ein ruhiger Einstieg ohne Druck.

🔹 Entlastung vom „Ich muss es richtig machen“
Du kommst aus der Übersteuerung in einen Moment echten Ankommens.

🔹 Wahrnehmung als Orientierung
Du lernst Wahrnehmung als Grundlage zu nutzen – bevor du bewertest oder dich antreibst.

🔹 Kleine Öffnungen für den Alltag
Kurze Impulse, die du sofort mitnehmen kannst, ohne dein Leben umzukrempeln.

🔹 Erlaubnis, genau hier zu starten
Du musst nicht weiter sein, um anfangen zu dürfen – und nichts verändern, damit sich etwas verschiebt.

Wie mimetische Wünsche Kreativität killen 

Kreativität, wie ich sie verstehe, hat nichts mit Nachahmung zu tun.

Kreativität bedeutet nicht: »Ich mache es wie die anderen, nur ein bisschen besser.«

Kreativität bedeutet: »Ich finde heraus, wie ich es machen würde.«

Aber wenn dein Ausgangspunkt ein mimetischer Wunsch ist, kannst du das gar nicht.

Weil du nicht von dir selbst ausgehst. Sondern von jemand anderem.

Ein Beispiel:

Du siehst auf Instagram jemanden, der wunderschöne Aquarelle malt. Tausende Likes. Kommentare wie: »Das ist so talentiert!« Du denkst: »Das will ich auch.«

Also kaufst du Aquarellfarben. Schaust Tutorials. Übst.

Aber nach ein paar Wochen merkst du: Es macht dir keinen Spaß. Es fühlt sich an wie Arbeit. Wie eine Pflicht.

Warum?

Weil du nie wirklich Aquarelle malen wolltest. Du wolltest gesehen werden. Bewundert werden. Du wolltest das Gefühl haben, das dieser Mensch auf Instagram zu haben scheint.

Aber das ist kein kreatives Ziel. Das ist ein soziales Ziel.

Und soziale Ziele lassen sich nicht durch Kreativität erreichen. Sie lassen sich nur durch Performance erreichen.

Was »Kreativ mit allen Sinnen damit zu tun hat

Ich kann dir erklären, wie man töpfert. Wie man webt. Wie man malt. Wie man mit Buchstaben arbeitet. Wie man fotografiert. Wie man Skulpturen baut.

All das habe ich gemacht. Und ich mache es immer noch.

Aber: Was nützt dir das, wenn ich dir zeige, wie ich es mache?

Wenn du nur nachmachst, was ich dir zeige, bleibst du in der mimetischen Falle. Du kopierst meine Art. Nicht deine.

Deshalb ist »Kreativ mit allen Sinnen« kein How-To. Es ist kein Workshop. Keine Anleitung.

Es ist ein Rückweg.

Zu deiner eigenen Wahrnehmung. Zu deiner eigenen Art. Zu dem, was du spürst – nicht zu dem, was du glaubst spüren zu müssen.

Wie du aus der mimetischen »Falle« rauskommst

Die Frage ist: Wie findest du heraus, was du wirklich willst?

Nicht, was andere wollen. Nicht, was du glaubst wollen zu müssen. Sondern: Was du wirklich willst.

Die Antwort ist unbequem:

Du findest es nicht durch Nachdenken. Du findest es durch Wahrnehmen.

Lass mich das erklären.

Solange du im Kopf bist, bist du anfällig für mimetische Wünsche. Weil dein Kopf ständig vergleicht. Bewertet. Einordnet.

»Das ist gut.« »Das ist erfolgreich.« »Das macht Eindruck.«

Aber dein Körper macht das nicht. Deine Sinne machen das nicht.

Deine Hände wissen nicht, was auf Instagram gut ankommt. Sie wissen nur, was sich gut anfühlt.

Deine Augen wissen nicht, was prestigeträchtig ist. Sie wissen nur, was dich fesselt.

Dein Körper ist der einzige Teil von dir, der nicht mimetisch ist.

Deshalb beginnt „Kreativ mit allen Sinnen“ immer beim Körper. Bei den Sinnen. Bei der Wahrnehmung.

Nicht, weil das esoterisch ist. Sondern weil es der einzige Weg ist, wieder Kontakt zu dem herzustellen, was wirklich dein ist.

Ein Beispiel aus meiner Lehre

Ich hatte mal eine Studentin, die unbedingt Illustratorin werden wollte. Sie war gut. Technisch sehr versiert. Aber ihre Arbeiten fühlten sich irgendwie… leer an.

Ich fragte sie: »Warum willst du Illustratorin werden?«

Sie: »Weil ich schon immer gerne gezeichnet habe.«

Ich: »Okay. Aber warum willst du genau so zeichnen, wie du jetzt zeichnest?«

Pause.

Dann: »Weil… das ist halt, wie man es macht. Das ist der Stil, der gerade funktioniert.«

Genau.

Sie zeichnete nicht, weil sie so zeichnen wollte. Sie zeichnete so, weil sie dachte, dass man so zeichnen muss, um erfolgreich zu sein.

Mimetischer Wunsch.

Ich gab ihr eine Aufgabe: »Vergiss für eine Woche alles, was du über Illustration weißt. Mach jeden Tag eine Übung, bei der es nicht ums Zeichnen geht. Sondern nur ums Wahrnehmen.«

Berühre Oberflächen. Höre Geräusche. Sieh Details, die dir normalerweise nicht auffallen.

Nach einer Woche kam sie zurück. Und ihre Zeichnungen sahen anders aus. Nicht ›besser‹ im technischen Sinn. Aber authentischer. Lebendiger.

Sie hatte aufgehört, zu kopieren. Und angefangen, wahrzunehmen.

 

Was das nun für »Kreativ mit allen Sinnen bedeutet

»Kreativ mit allen Sinnen« ist mein Versuch, einen Raum zu schaffen, in dem du genau das üben kannst:

Wahrnehmen. Ohne zu bewerten.

Spüren. Ohne zu vergleichen.

Da sein. Ohne zu performen.

Es ist kein Programm, das dich kreativer macht. Es ist ein Programm, das dich zu dem zurückbringt, was schon da ist.

Zu deiner eigenen Wahrnehmung. Zu deiner eigenen Art. Zu dem, was nur du machen kannst – weil nur du es so wahrnimmst, wie du es wahrnimmst.

Das ist nicht esoterisch. Das ist nicht romantisch.

Das ist einfach nur ehrlich.

Und vielleicht ist genau das der Anfang von echter Kreativität.

Nicht nachzumachen, was andere machen.

Sondern herauszufinden, was du machen würdest.

Wenn niemand zuschaut.

Die drei Schritte aus der mimetischen »Falle«

Wenn du merkst, dass du in der mimetischen Falle steckst – dass du Dinge tust, weil andere sie tun, nicht weil du sie wirklich willst – hier sind drei Schritte, die helfen:

1. Pause. Orientierung vor Output.

Hör auf, zu produzieren. Hör auf, zu optimieren. Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen.

Nimm dir eine Woche. Oder auch nur drei Tage. Und mach nichts, das »kreativ« sein soll.

Stattdessen: Nimm wahr.

Berühre Dinge. Höre Geräusche. Sieh Details. Ohne zu bewerten. Ohne daraus etwas machen zu wollen.

Das ist kein Zeitverlust. Das ist Orientierung.

2. Frag dich: »Fühlt sich das richtig an?«

Nicht: »Ist das gut?«

Nicht: »Kommt das an?«

Sondern: »Fühlt sich das für mich richtig an?«

Das ist eine körperliche Frage. Keine intellektuelle.

Wenn du etwas tust, das sich richtig anfühlt, merkst du es im Körper. Es gibt eine Leichtigkeit. Eine Stimmigkeit. Ein »Ja, das passt.«

Wenn du etwas tust, weil du glaubst, dass du es tun solltest, merkst du das auch im Körper. Es gibt Widerstand. Anstrengung. Ein »Ich muss mich zusammenreißen.«

Hör darauf.

3. Erlaube dir, anders zu sein.

Das ist der schwerste Schritt.

Weil mimetische Wünsche uns Sicherheit geben. Wenn wir tun, was andere tun, gehören wir dazu. Wir sind Teil der Gruppe. Wir sind »richtig«.

Aber Kreativität entsteht nicht in der Gruppe. Sie entsteht in der Differenz.

In dem Moment, wo du aufhörst, so sein zu wollen wie andere. Und anfängst, so zu sein, wie du bist.

Das heißt nicht, dass du dich isolieren musst. Oder dass du gegen alles rebellieren musst.

Es heißt nur: Du hörst auf, dich permanent an anderen zu orientieren. Und fängst an, dich an dir selbst zu orientieren.

Gedanken zum Schluss 

Ich weiß nicht, ob du gerade in der mimetischen »Falle« steckst.

Aber wenn du dich beim Lesen erkannt hast, wenn du gemerkt hast: »Ja, ich mache Dinge, weil ich glaube, dass ich sie machen sollte. Nicht weil ich sie wirklich will.« 

Dann lade ich dich ein:

Hör für einen Moment auf, dich an anderen zu orientieren.

Und fang an, dich an dir selbst zu orientieren.

An deinem Körper. An deinen Sinnen. An dem, was sich für dich richtig anfühlt.

Das ist der Anfang.

Nicht von Kreativität als Leistung.

Sondern von Kreativität als Leben.

Ralf K. Röttjer
Professor für Design
Creator von »Kreativ mit allen Sinnen«

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PS.: Wenn dir das noch nicht »reicht«, schau mal in meinem Blogbeitrag zum Thema »VERÄNDERUNG« nach.

 Scheitern ist peinlich.“ → Nope.

Peinlich ist, gar nix zu riskieren.

Fragen (FAQ), die andere schon gestellt haben

>>> KLICK, KLICK

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